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Lehm und lehmen lassen
HAZ: Der Joseph-Beuys-Schüler Carl Giskes restauriert die "Gärten im Wandel" auf dem Expo-Gelände
von Dany Schrader
Es gibt nur wenige Menschen, die mit den "Gärten im Wandel" auf dem Expo-Gelände so sehr verbunden sind wie Carl Giskes. Jedes Jahr im Juni reist der in Krefeld geborene 59-Jährige aus seiner Wahlheimat in den Niederlanden an, schlägt sein kleines Igluzelt mit dem Rücken zum wuchtigen Ikea-Möbelhaus auf und fängt an zu arbeiten. Sieben Tage lang, und wenn es sein muss auch Nächte, legt Giskes Hand an, um das für die Ewigkeit zu erhalten, was einst nur für acht Monate gedacht war: Pavillons, Mauern und Brunnen, die der Landschaftsarchitekt Kamel Louafi vor mehr als zehn Jahren als Teil der ,,Gärten im Wandel“ für die Expo entworfen und unter anderem mit Giskes errichtet hatte.
Seitdem die Stadt Hannover beschlossen hat, die Gärten auf der Plaza zu erhalten, gibt es eine Vereinbarung mit dem 59-Jährigen: Einmal im Jahr präsentiert der Unternehmer in den "Gärten im Wandel" einen von ihm entwickelten Lehmputz und weist aus der ganzen Bundesrepublik angereiste Bauunternehmer in die ursprunglich aus Marokko stammende Putztechnik des Tadelakts ein. Gleichzeitig repariert er mit seinen Mitarbeitern einige Schäden, die innerhalb eines Jahres durch mutwillige Zerstörung entstanden sind, die Kosten für das Material übernimmt die Stadt. Wer einmal einen Blick auf die Biografle Giskes‘ geworfen hat, den wundert es wohl kaum, warum Gäste, Mitarbeiter und Studenten an diesen Tagen alle gespannt zuhören, wenn der Mann mit der brummigen Stimme inmitten von Spachteln, gefüllten Lehmeimern und Werkzeug zu erzählen beginnt. Etwa davon, wie er auf seinen Afrikareisen diese besondere Technik entdeckte. Dabei streicht er demonstrativ mit einem pflaumengroßen Achat den neuen Putz des Maschinenhaus genannten Pavillons so glatt, bis der Lehm schließlich einer antiken Patina gleicht. Dann erzählt Giskes, wie er mit seiner Baufirma in Amsterdam nun Rathäuser und mehrstöckige Firmenbauten mit dem Naturstoff verkleidet. Der Unternehmer ist gelernter Pflastersteinleger und Graveur, und einst zählte er zu den Schülern des Künstlers Joseph Beuys. Bei der documenta VII 1982 in Kassel war es Giskes, der für seinen Lehrmeister 7000 rund 450 Kilo schwere Basaltsteine zu einem Stapel schichten und sie schließlich einzeln neben 7000 junge Eichen legen ließ. Doch trotz seiner vielen Projekte ist Hannover, noch immer eine feste Station.
Die vielen Dinge wie Lampen oder Kupferbleche, die in der Zwischenzeit in den "Gärten im Wandel“ gestohlen oder zerstört wurden, nimmt Giskes jedes Jahr aufs Neue mit Bedauern zur Kenntnis. "Das ist dann immer ein Schock“, sagt er. Und dass er sich wünsche, dass die Stadt trotz Sparzwang vielleicht doch die notwendigen 10000 Euro aufbringt, damit er demnächst zwei Wochen bleiben und wirklich alle notwendigen Ausbesserungsarbeiten erledigen könne. "Eigentlich ist es ein schöner Zufall, dass das hier noch steht“, sagt er und geht wieder an die Arbeit.
Dany Schrader
Pavillons sollen einladender werden
Die UnionBoden arbeitet parallel ebenfalls an der Instandsetzung in den "Gärten im Wandel“. Der Rat hatte dafür 50000 Euro zur Verfügung gestellt, die städtische Gesellschaft investiert dieselbe Summe. Unter anderem wird die Sandsteinplatte im Teepavillon angehoben, um die Reinigung darunter zu erleichtern. Zuletzt hatte sich dort viel Müll angesammelt. Die anderen Pavillons wurden für einen neuen Lehmputz präpariert und gegen Feuchtigkeit geschützt. Außerdem sollen sie für Besucher einladender werden. Eine ehemalige Wand etwa dient nun als Sitzgelegenheit. Laut Union Boden sind bisher etwa 85000 Euro ausgegeben worden. Die Arbeiten sollen im Juli vorerst beendet sein, im Jahr 2010 sollen die Himmelstürme im Expo-Park von Graffiti gesäubert werden. Im August will der Verein Expo Park in den Gärten ein Fest veranstalten. "An drei Tagen wollen wir feiern“, sagt Stefan Schlutter. Ein Datum steht noch nicht fest.
ds
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