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Jemen-Pavillon: Trauriges Ende einer Attraktion
HAZ: Überall liegen zerbrochene Holzplanken und gelöste Bodenbeläge, die Vorhänge sind zerrissen, die wenigen verbliebenen Möbel umgestürzt. Der Jemen-Pavillon bietet ein Bild der Verwüstung.
Fenster und Türen sind ausgebaut, Teile des Daches fehlen, selbst einige der kunstvollen Glasornamente und Lehmverzierungen des Orientbaus sind beschädigt. An der Mauer steht in dicken Lettern: „Wir müssen raus!“ Seit gestern steht der Pavillon leer, der zu den besonderen Attraktionen der Expo zählte. Und die bisherigen Nutzer, Antonia Claudius und seine Frau Eva, haben offenbar alles mitgenommen, was sich transportieren ließ. „Es wäre schön, die Stadt hätte es nicht so weit kommen lassen – zumal im nächsten Jahr das zehnjährige Expo-Jubiläum ansteht“, bedauert Roger Cericius, Vorsitzender des Freundeskreises Hannover.
Gestern waren Mitarbeiter der Expo-Grund vor Ort, um den Pavillon notdürftig mit Metallzäunen gegen ungebetene Gäste abzusichern. Die städtische Gesellschaft ist Eignerin des Grundstücks, für das das Ehepaar Claudius die Rechnung seit 2001 nicht beglichen hat – so mussten beide Gelände und Gebäude per Gerichtsbeschluss räumen. Wem der Pavillon gehört, ist indes noch nicht geklärt. Claudius hatte ihn nach der Expo für eine Mark vom jemenitischen Staat erworben. „Wir gehen davon aus, dass nun wieder der Jemen Eigentümer des Gebäudes ist“, sagt Expo-Grund-Chef Walter Richter. In den nächsten Tagen rechnet er mit einer Antwort der Botschaft in Berlin. „Vorher dürfen wir an dem Bau nichts verändern.“ Selbst eine Regenplane über das undichte Dach zu decken, sei aus juristischer Sicht nicht zulässig.
Ob der Pavillon abgerissen werden muss, darüber wagte Richter gestern keine Prognose. Man versuche, einen Investor zu finden, der Grundstück samt Gebäude kauft. Nachdem der drohende Abriss bekannt geworden war, habe sich „spontan“ ein neuer Interessent gemeldet. Noch ist aber offen, ob dieser mit der Expo-Grund handelseinig wird. Die Gesellschaft hatte Claudius einen Kaufpreis von 414 000 Euro für das Grundstück angeboten, das nach Richters Angaben 600 000 Euro wert ist. Nach Darstellung von Eva Claudius hatte sie kurzfristig noch eine Zahlungsabsicht über 385 000 Euro abgegeben, wollte aber 77 000 Euro Schulden ihres Mannes gegenüber der Expo-Grund nicht übernehmen.
„Die Stadt hätte sich viel flexibler zeigen müssen“, kritisiert Harald M. Bock, Generalsekretär der Deutsch-Arabischen Gesellschaft in Berlin, der mehrfach in dem Jemen-Pavillon in Hannover zu Gast war. Am Ende hätten Kaufpreis und gebotene Summe nicht weit auseinander gelegen: „Hannover vertut eine große Chance, wenn ein solches Kulturdenkmal aus merkantilen Interessen geopfert wird.“ Auch der Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft, der den Pavillon zuletzt im Mai besuchte, bedauere den drohenden Verlust außerordentlich. Und dieser Präsident hat einen prominenten Namen: Es ist der Journalist und Nahost-Experte Peter Scholl-Latour.
von Juliane Kaune / Hannoversche Allgemeine Zeitung
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